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 "İnsanların barışları da savaşları da birer hayalden doğmaktadır. Öğünmeleri de, utanmaları da birer hayale dayanmaktadır".
 

"Etrafında insan yüzlü bir çok şeytan vardır. Bu sebeple her ele el vermek, bağlanmak,intisab etmek uygun değildir".


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Ethikunterricht – Ein Diskussionsbeitrag zur Einführung eines verpflichtenden Unterrichtsfaches Drucken E-Mail
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Mittwoch, 29. Juni 2011

TV-Sendung ORF 2 „Heimat, fremde Heimat“

Günther Dichatschek

 

„Wenn wer sich wo als Lump erwiesen,

So schickt man in der Regel diesen

Zum Zweck moralischer Erhebung

In eine andere Umgebung,

Der Ort ist gut, die Lage neu,

der alte Lump ist auch dabei.“

(Wilhelm Busch, Maler Klecksel)

 

Wilhelm Buschs Einsicht zeigt notwendige  schulpädagogische Konsequenzen. Ethikunterricht, Werte und Normen, Politische Bildung – die Fachbereiche sollen denen, die der Religionsunterricht/RU nicht(mehr)erreichen, sittliches Denken vermitteln.

Die staatliche Verordnung – derzeit als Schulversuch in der AHS – Oberstufe – hat anspruchsvolle Lernziele und daher ein entsprechendes Anspruchsniveau. Ob „Ethik“ – gefragt werden muss welche(etwa theologische Ethik, analytische Ethik, philosophische Ethik, politische Ethik, Berufsethik, Sportethik, Umweltethik)  – Disziplinierung und Passivität oder Kritik und Engagement fördert, hängt von Eltern, Bildungspolitikern, Unterrichtenden und Didaktikern ab.

In der Diskussion über ein neues verpflichtendes Unterrichtsfach werden Rechtsprobleme aufgeworfen:

 

Darf öffentlicher Schule einen Unterricht über Sinn- und Wertfragen veranstalten, ohne gegen das Prinzip weltanschaulicher Neutralität zu verstoßen?  

Welche inhaltlichen Vorgaben sind von Rechts wegen möglich und nötig?

Lassen sich Wertbindungen – die ein solcher Unterricht nicht vermeiden kann –

durch die Verfassung/Schulgesetzgebung in einer demokratischen und pluralistischen

Gesellschaft legitimieren?

 

 

Aus der Perspektive eines Unterrichtenden/Schule(Deutsch-Geschichte-Geographie, Berufsorientierung), Lehrenden/Universität(Berufspädagogik - Aus- und Weiterbildung/Vorberufliche Bildung) und Erwachsenenbildners(„Evangelisches Bildungswerk in Tirol“, VHS Zell/See) sowie Absolventen des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/Universität Salzburg soll ein neues verpflichtendes Unterrichtsfach einen fachspezifischen Beitrag zur Erziehungsaufgabe beschreiben. Daher sind entwicklungs- und sozialisationstheoretische Konzepte zu berücksichtigen.

Moralische Erziehung(„moral education“) deckt kulturspezifische Annahmen und ideologische Zielwerte auf, ohne die Bedeutung sozialer und psychischer Strukturen leugnen zu müssen.

Sittlichkeit  ermöglicht den individuellen und sozialen Umgang mit gewachsenen und entwickelten Strukturen, ermöglicht die Lösung von Gewissensfragen(sofern Gewissen als Instanz menschlicher Erkenntnis und Selbstdefinition angesehen wird).

 

Eine begriffliche Unterscheidung Ethik/ethisch, Sittlichkeit/sittlich und Moral/moralisch ist schwer durchsetzbar. Die Bezeichnungen Ethik als wissenschaftliche Reflexion, Sittlichkeit bezogen auf den Objektbereich und Moral auf praktiziertes sittenkonformes Verhalten werden  beliebig verwendet. Allein schon der Fachbereich Ethik durchbricht diese Unterscheidung.

 

 

1.  Grundsätzliche Bemerkungen

 

Das Motiv der Einführung des Faches war das Bestreben, den Freizeitanreiz bei der Abmeldung vom RU zu beseitigen. Der „Internationale Bund der Konfessionslosen“ hat daher den Vorwurf erhoben, die Einführung des „Ersatzunterrichts“ sei eine repressive Maßnahme, mit der der Bestand des RU gesichert werden soll. Kritiker sehen auch in lehrplanspezifischen Bezügen auf einen Mindestkonsens über Grundwerte den Versuch, eine Ordnungsethik des Staates durchzusetzen. Es geht also um die verfassungsrechtliche Legitimität des Faches, gesetzliche Bestimmungen(Aufgaben und Inhalte), Verpflichtung auf bestimmte Werte/Sinntraditionen und das Problem eines sittlichen Mindestkonsenses.

 

Verletzung der Religionsfreiheit?

 

Einen Dissens gibt es zur Frage, ein Ethikunterricht sei  für die aus  dem konfessionellen RU ausgetretenen Schüler/innen verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgesetz garantiert und der § 2 SchOG 1962 i.d.g.F. schränkt keinesfalls die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit ein. Der Staat kann auf Grund seiner weltanschaulichen Neutralität nur einen religiös neutralen Unterricht einführen. Der Vorwurf der Verfassungswidrigkeit ist hinfällig, weil fälschlicherweise unterstellt wird, ein „Ersatzunterricht“ – als juristische Benennung -  sei nicht religiös neutral und schränke zumindest die negative Religionsfreiheit (Recht, keine Religion zu haben) ein.

 

Sinn- und Wertfragen

 

Sinn- und Wertfragen in den Bildungszielen der österreichischen Schule sind Erziehungs- und Unterrichtsauftrag  während der gesamten Schulzeit(etwa die Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten; selbständiges kritisches Urteil, eigenverantwortliches Handeln; Freiheit und Demokratie;  Toleranz, Achtung vor der Würde des Einzelnen, Respekt vor anderen Überzeugungen; friedliche Gesinnung im Geiste der Völkerverständigung: ethische Normen und kulturelle/religiöse Werte verständlich machen; Bereitschaft zu sozialem Handeln und politischer Verantwortung; Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft; Orientierung in der Arbeitswelt; Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen). Entsprechende Unterrichtsprinzipien/Richtlinien  unterstreichen diese Bildungsziele in ihrer Bedeutung, wobei schulische Randfächer  allerdings schwach positioniert sind(etwa Politische Bildung/Kompetenz, Vorberufliche Bildung/Kompetenz, Transkulturalität/transkulturelle Kompetenz, Ethik/ethische Kompetenz).

 

Ein eigenes Fach(Ethik) wertet didaktisch und methodisch den pädagogischen Bereich auf, mindert den Zeitdruck auf andere Fächer(die ein Unterrichtsprinzip ergibt) und legitimiert den hohen Stellenwert von Sinn- und Wertfragen in der Gesellschaft(vgl. BUCHER 2001, 29, 56). Übrig bleibt (immer) die Frage der „weltanschaulichen Neutralität“.

Weltanschauliche Neutralität

 

Das Bundesverfassungsgesetz zeigt durch die Aufnahme der Grundsätze der Menschenrechtskodifikationen  - hier der Religionsfreiheit – und der Gesetze zum Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften auf, die im Rahmen einer Wertorientierung das Prinzip der weltanschaulichen Neutralität positiv zu verstehen sind.

 

Mit der Förderung der verschiedenen Gruppierungen ermöglicht der Staat ein öffentliches Wirken mit den Aufgaben einer sittlichen Motivierung, des sozialen Engagements und einer Sinnvermittlung. Dies ist als Förderung  konkurrierender Überzeugungen im Rahmen demokratischer Normen zu verstehen, um das Gemeinwohl zu sichern und zu vergrößern.

 

Schulisch drückt sich dies durch den RU aus, wobei die Religionsgemeinschaften  in Form der Bindung an ihre eigenen Glaubens- und Grundsätze in Übereinstimmung mit der Bundesverfassung inhaltlich eigenverantwortlich den Unterricht gestalten.

 

Im Unterscheid zum RU hat für den Staat das Toleranzgebot Vorrang. Daraus ergibt sich zwingend, dass eine  Austrittsmöglichkeit in einem staatlich verantworteten Unterrichtsfach(zu Sinn- und Wertfragen) nicht eingeräumt werden muss, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Faches – Lehrplan, Lehrerbildung und Verfassungskonformität – die Wertneutralität garantieren(vgl. BUCHER 2001, 55). Ein solches Fach hat nicht zum Inhalt, dem Nichtreligiösen die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Sinn- und Wertfragen zu ersparen.  Der Staat darf von seinen Bürgern Pflichten und Leistungen verlangen, ohne dadurch die Gewissensfreiheit zu verletzen(vgl. SCHMIDT 1983, 14).

 

2. Funktionen der Schule - Sachkompetenz

 

Stichwortartig sollen hier die Funktionen von Schule  angeführt werden(vgl. SCHMIDT 1983, 210-223):

 

gerechte Verteilung von Sozialchancen durch wissenschaftliche Qualifikationen und Kompetenzen

Förderung und Leistungswettbewerb

Verwissenschaftlichung

Legitimation gesellschaftlicher Ordnung

Enkulturation und Pluralität der Alltagskultur und

schulische Sozialisation/Kompetenzen für den Alltag und das Gemeinwohl.

 

Eine Sachkompetenz Unterrichtender ergibt sich aus der Aus-, Fort- und ggf. Weiterbildung künftiger Ethiklehrender.

 

Die Ausbildung ist eines der größten Probleme des Faches, weshalb es als positiv anzusehen ist, dass die Universität Wien ab dem WS 2000/2001 ein Diplomstudium Ethik eingerichtet hat. Der Lehrgang umfasst die Bereiche Grundfragen der Ethik, religiöse und außereuropäische Moralsysteme, Probleme der angewandten Ethik(etwa Bio-, Medizin- und Wirtschaftsethik), lebensweltliche und didaktische Fragen(etwa Generationenprobleme, Geschlechterdifferenz), wobei die Ausbildung nicht an einem Institut angesiedelt ist. Daraus ergibt sich eine interfakultäre Ausbildung  mit den Bereichen Philosophische Ethik,  naturwissenschaftliche Disziplinen/Ökologie, Jugendsoziologie, Religionswissenschaft, Moralpädagogik/Didaktik, Moralpsychologie/Entwicklungspsychologie und Theologische Ethik. Derzeit gibt es kein vollwertiges Lehramtsstudium, daher gibt es keine Gleichwertigkeit im Fächerkanon(vgl. die schulischen Randfächer im Fächerkanon). Die Frage der Zulassung wurde/wird kontrovers diskutiert und entzündet sich an der Kombination für Katholische oder Evangelische Theologie, nunmehr auch an Islamischer Pädagogik(vgl. das Grundrecht auf Lernfreiheit AHStG § 5 i.d.g.F.).

 

Wer unterrichten darf, ist ebenso strittig. Als Minimalkonsens gilt, wer die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat und das Bundesverfassungsgesetz - mit den Folgegesetzen -  und den Menschenrechtskodifikationen anerkennt und umsetzt, ethische Reflexion in der Lage ist zu betreiben, den Unterricht zu keiner Indoktrination benützt und Religion als Menschheitsphänomen mit Respekt begegnet(vgl. BUCHER 2001, 309-310).

 

 

Literaturhinweise/Auswahl

 

Bucher A.A.(2001): Ethikunterricht in Österreich, Innsbruck-Wien

 

Schmidt H.(1983): Didaktik des Ethikunterrichts I – Grundlagen, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz

 

 

Juni 2011

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 30. Januar 2012 )
 
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