• Decrease font size
  • Reset font size to default
  • Increase font size

 "İnsanların barışları da savaşları da birer hayalden doğmaktadır. Öğünmeleri de, utanmaları da birer hayale dayanmaktadır".
 

"Etrafında insan yüzlü bir çok şeytan vardır. Bu sebeple her ele el vermek, bağlanmak,intisab etmek uygun değildir".


Home
Laizismus, Islam heute und Religiosität Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
SchlechtSehr Gut 
Donnerstag, 26. November 2009

Ihren sichtbaren Ausdruck findet die Auseinandersetzung um die Rolle des Islam in der türkischen Gesellschaft heutzutage in der Diskussion um das Tragen des Kopftuchs.

Das laizistische Establishment sieht darin eine politische Manifestation und untersagt es an im weitesten Sinne "staatlichen" Plätzen. Dazu gehören vor allem das Parlament, die Regierung und die Verwaltung. Auch Studentinnen ist es seitens der staatlichen Behörde für die Aufsicht über die Universitäten nicht gestattet, das Kopftuch auf dem Campus zu tragen. Protesthandlungen von Frauen, die das Kopftuch an Orten anlegen, wo dies verboten ist, lösen in der Öffentlichkeit und in den Medien zum Teil leidenschaftliche und kontroverse Reaktionen aus.

Heute verfügt in der Türkei keine islamisch orientierte Gruppe, Bewegung oder Partei über ein Monopol. Hatten die diversen islamistischen Parteigründungen, die sich mit dem Namen Necmettin Erbakan verbinden, früher sozialen Protest in der Sprache des Islam zu artikulieren gesucht, so hat die islamische Bewegung in der Auseinandersetzung mit der türkischen Gesellschaft während der neunziger Jahre an Breite zugenommen. Inwieweit sie zu einem integralen Bestandteil der türkischen Demokratie werden könnte, ist eine der großen Zukunftsfragen an die Türkei.

Die Kemalisten waren der Überzeugung gewesen, dass es gelingen würde, den Islam aus dem Erscheinungsbild der Türkei zurückzudrängen und ihn ausschließlich in die Sphäre der persönlichen Religiosität zu verbannen. Bereits Ende der vierziger Jahre deutete sich an, dass sie einen zu rationalen, zu europäischen Maßstab an die Türkei angelegt hatten.

Lediglich in ihren frühen Jahren hat die Türkische Republik das Prinzip des Laizismus konsequent angewandt und streng auf einer Trennung von Religion und Politik bestanden. Mit der Einführung des Mehrparteiensystems begannen Politiker jedoch, die Religion für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Der Religionsunterricht wurde wieder zugelassen, zunächst nur wahlweise an den Grundschulen, unter den Militärs im Jahre 1982 sogar obligatorisch in allen Schulformen. Noch vor dem erdrutschartigen Wahlsieg der DP im Jahre 1950 wurde 1949 in Ankara eine neue theologische Fakultät eröffnet. Korankurse, wenn auch staatlich organisiert und kontrolliert, erhielten Zulauf, ein intensiver Neubau von Moscheen setzte ein, verfallene Moscheen wurden restauriert.

Nach ihrem Putsch von 1980 setzten die Generäle den Islam dann gezielt ein, um die politische Linke zurückzudrängen. Als sie 1983 abtraten, gelang es dem neuen Premierminister Turgut Özal, der selbst dem Orden der Naksibendi (siehe unten) angehörte, die religiösen Stimmen nahezu geschlossen an sich zu binden. Zu den meisten Bruderschaften (siehe unten) unterhielt er gute Kontakte; in seiner "Mutterlandspartei" waren die - gemäßigten - Islamisten lange Zeit stärker als der liberale Flügel. Von 1983 bis 1991 übernahmen sie zahlreiche Stellen in der staatlichen Bürokratie, vor allem in den Ministerien für Erziehung und Inneres sowie im Planungsamt.

Die Bruderschaften (Tarikat) und Gemeinschaften (Cemaat) begannen, Zeitungen zu gründen, Schulen zu führen und Unternehmen zu betreiben. Auch die marktwirtschaftliche Öffnung begünstigte die "Islamisierung". Wo der Staat dem gestiegenen Bedarf an sozialen Leistungen aufgrund leerer Kassen nicht mehr nachkommen konnte, füllten islamische Selbsthilfegruppen die Lücke. In den achtziger Jahren konnte somit eine neue Generation von säkularen, aber auch urbanen religiösen Intellektuellen heranwachsen, die sich erstmals zu Fragen der politischen Ordnung äußerten. Einige von ihnen zählen heute zu den meist gelesenen Theoretikern der Türkei. Zeitungen und Zeitschriften mit islamischem Profil etablierten sich, auch Fernsehkanäle und Radiostationen. Es entstand ein islamischer Literaturbetrieb mit eigenen Verlagen und Vertriebswegen.

 

Seit dem 19. Jahrhundert vollbrachte das Ottomanische Reich eine erstaunliche Reform seiner Institutionen und die Transformation seiner Gesellschaft auf der Basis der Verbindung des Gedankengutes des Korans mit den europäischen Ideen. 1924 verblüffte Mustafa Kemal, der zukünftige Atatürk, den Westen, als er das Kalifat abschaffte, die Bildung säkularisierte, islamische Bruderschaften verbot und schließlich auch die Scharia durch ein bürgerliches Gesetzbuch nach dem Vorbild des schweizerischen Rechtssystems ersetzte. Somit wurde die Türkei zu einer laizistischen Republik, bewahrte jedoch gleichzeitig den religiösen Pluralismus eines von vielen islamischen Glaubensrichtungen beherrschten sozialen Gefüges. Bei seiner Erschaffung der modernen Türkei setzte Atatürk also auf einen starken Staat – zentralistisch und nationalistisch, in dem die Armee einen starken Platz einnimmt. Die Ausübung der Religion findet fern des politischen Lebens statt.

 

„Darüber hinaus ist der Islam in der Türkei weitaus friedlicher und weniger fordernd, als der durch die gesellschaftliche Isolation zugespitztere Islam der Immigranten in Europa“.

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 25. September 2010 )
 
< zurück   weiter >
Advertisement

Umfrage

Welcher Liste geben Sie bei der AK Wahlen 2019 Ihre Stimme?
 

Syndicate


Fatal error: Class 'JTEXT' not found in /kunden/247862_6850/www.adnandincer.com/components/com_joomlastats/count.classes.php on line 885